Menschliches

November 10, 2020

Für viel zu viele Menschen war und ist die Coronakrise eine psychische aber auch physische Katastrophe. Dies nicht nur, weil Menschen anscheinend am Coronavirus erkrankt sind, teilweise auch an/mit dem Virus sterben, sondern weil die Angst, die Einsamkeit, generell der psychische Druck auf viele Menschen massiv zugenommen hat.

Es ist deshalb nicht sicher, ob – wenn überhaupt – das Virus mehr Todesfälle als die Massnahmen verursacht hat. Hier gehen die Meinungen stark auseinander. Denn nur der Nachweis von einem Virus bei jemandem der erkrankt oder verstorben ist, ist noch kein Beweis dafür, dass er wegen dem Virus erkrankt ist. Dies bestätigt auch die Beobachtung, dass die meisten der Verstorbenen bereits im Vorfeld mindestens an einer, wenn nicht an vielen Krankheiten erkrankt war.

Die psychischen Schäden sind jedoch tragisch und nicht zu leugnen. Auch die Suizidrate, vor allem bei Jugendlichen, ist massiv gestiegen. Kinder leiden nicht nur physisch, mit Karies, Zahnfleischbeschwerden usw. an den Masken, sondern auch psychisch. Denn Kinder werden seit Beginn der Coronaproblematiken als potentielle Überträger des Virus dargestellt. Es wird ihnen gar suggeriert, dass sie verantwortlich sind, wenn ihre Oma und oder ihr Opa an Corona sterben. Dies ist nicht nur ein psychischer Druck, dies ist der Psychoterror. Staatlich verordnet.

Finden Sie das alles in Ordnung?

Um dies bezüglich der psychischen Problematiken zu verdeutlichen, möchten wir Ihnen einen Artikel aus dem Impuls 19 zur Verfügung stellen.

Angst und Opportunismus: ein psychologischer Blick auf die Corona-Krise

von Dr. phil. Katharina Lehmann, Psychologin

Mal abgesehen von den gleichgeschalteten Massenmedien, die jede Meinung bezüglich Corona, die vom offiziellen Narrativ abweicht, ignorieren oder diffamieren, einem Geldsystem, das Reiche immer reicher macht, und dem Versuch, unter dem Deckmantel von Schutzmaßnahmen und Philanthropie das Grundgesetz auszuhebeln, stellen sich die Fragen: Weshalb können Menschen auch heute noch, nach dem Zeitalter der Aufklärung, so leicht in Angst und Schrecken versetzt werden? Und weshalb passt sich eine große Mehrheit widerstandslos an die „neue“ Normalität an? In diesem Artikel geht es um Erklärungsansätze aus einer traumatologischen und aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive.

Während der Corona-Krise erzeugten Regierungen und Massenmedien sehr viele Ängste. Das tun sie noch immer. Geschürt wurden und werden diese Ängste durch schreckliche Bilder, Worst-Case-Szenarien und schwindelerregende Hochrechnungen möglicher Todesfälle. Die COVID-19-Maßnahmen beraubten außerdem viele Menschen ihrer wirtschaftlichen Existenz sowie sozialer Kontakte und schränkten die demokratischen Grundrechte massiv ein.

Diese Ängste führten in einigen Fällen sogar zu Selbstmorden. Angst ist eine Stressreaktion, ein Verteidigungsmechanismus, der unser Überleben sichert. Andererseits kann Angst eine angemessene Urteilsbildung blockieren und zu einem Tunnelblick führen. Das Erfassen komplexerer Zusammenhänge fällt schwerer und man hofft auf schnelle Lösungen, wodurch Menschen manipulierbar werden.

Nach Prof. Dr. Rainer Mausfeld gehörte die systematische Angsterzeugung seit jeher zum Handwerkszeug der Herrschenden, wie aktuell beim Kampf gegen Viren, Terror, Rassismus etc.

Einen gewissen Schutz vor der Erzeugung destruktiver Angst hatten diejenigen, die ein alternativ-medizinisches Weltbild vertreten, sich schon länger mit den Machenschaften der Pharmaindustrie oder generell mit dem Industriekapitalismus, dem Abbau demokratischer Strukturen und der gigantischen Umverteilung von Besitz und Macht von unten nach oben beschäftigt haben. Dadurch konnten Angst machende Bilder und Nachrichten relativiert und in ein anderes Narrativ gesetzt werden. Die Mehrheit der Menschen wurde jedoch in Angst und Panik versetzt und war wie gelähmt.

Sicherlich legitimierten das Arbeiten im Homeoffice und die massive Reduktion von Terminen einige auch zum Loslassen und Entschleunigen, zum Aufenthalt im Garten, im Wald oder in den Bergen. Die Mehrheit aber blieb zu Hause und wartete gebannt auf weitere Anweisungen. Die Vermittlung von Wissen – zum Beispiel im Bekanntenkreis – konnte nur bei sehr wenigen Menschen die Angst vor Coronaviren relativieren.

Was macht uns so anfällig für Ängste und sogenannte Schutzmaßnahmen?

Ängste können leicht getriggert werden, wenn belastende Ereignisse, insbesondere solche aus der Kindheit, nicht verarbeitet und integriert werden konnten. Wenn intensive Affekte wie Angst, Wut, Ohnmacht oder Scham nicht reguliert und als vergangen abgespeichert werden können, entsteht ein Trauma.

Damit wir während traumatischer Erlebnisse an den massiven Stressreaktionen infolge von Übererregung und Todesangst nicht sterben, werden diese Affekte abgespalten beziehungsweise dissoziiert, die Aktivierung heruntergefahren und in den Körper verdrängt. Dadurch können mit der Zeit vielfältige psychosomatische Symptome entstehen.

Da diese Affekte nicht verarbeitet und integriert wurden, können sie durch unterschiedlichste Situationen oder Krisen getriggert werden. Panikattacken sind ein typisches Bespiel dafür. Die Betroffenen haben dann zusätzlich Angst, verrückt zu werden, da keine Verbindung zu den abgespaltenen Anteilen mehr besteht und ihre Reaktionen für sie keinen Sinn ergeben.

Dissoziationen, die kurzfristig das Überleben gewährleisten, führen längerfristig zu der Annahme, Traumatisierungen seien nur ein gesellschaftliches Randphänomen. In Beratungen von Personen mit vielfältigen psychosomatischen Beschwerden hört man deshalb immer wieder „Da war nichts, ich hatte eine ganz normale Kindheit …“.

Fragt man aber etwas detaillierter nach, treten sehr häufig haarsträubende Geschichten zutage. Dass traumatische Erlebnisse kein Randphänomen, sondern weitverbreitet sind, zeigte eine berühmte amerikanische Studie mit fast 10.000 Personen. Das Ausmaß schädlicher Kindheitserlebnisse war epidemisch und machte die Zusammenhänge mit körperlichen und psychischen Schädigungen deutlich.

In dieser Studie wurden sieben Kategorien schädlicher Kindheitserlebnisse erfragt: psychologischer Missbrauch, physischer Missbrauch, sexueller Missbrauch, Substanzen-Missbrauch in Familie, psychische Erkrankungen in der Familie, Misshandeln der Mutter – meist durch den Vater – und kriminelles Verhalten in der Familie. Dabei erwähnten 52 Prozent der Befragten mindestens eine dieser Kategorien. Das ist jede zweite Person und Geburtstraumata sind da noch nicht einmal dabei! Die betroffenen Personen litten an vielen psychosomatischen Beschwerden, ernährten sich schlechter und neigten vermehrt zu Suchtverhalten.

Am weitesten verbreitet waren Substanzen-Missbrauch in der Familie (25,6 Prozent), sexueller Missbrauch (22 Prozent) und psychische Erkrankungen in der Familie (18,8 Prozent). 25 Prozent nannten zwei und 6 Prozent vier und mehr dieser Kategorien.

Dies führte bei vielen zu chronischen Depressionen, zu einer siebenmal höheren Wahrscheinlichkeit, süchtig zu werden und zu Suizidversuchen, die mit jeder zusätzlichen Kategorie deutlich anstiegen. Bei den Befragten handelte es sich nicht etwa vorwiegend um Angehörige der Unterschicht, sondern um Angehörige der Mittelschicht.

Traumatisierte Kindheitsanteile sehnen sich nach Schutz, Sicherheit und Rettung. Dies sind Bedürfnisse, die in der Corona-Krise durch Schutzmaßnahmen-Kampagnen in einer Dauerschleife getriggert wurden und Hoffnung auf Rettung durch einen neuen Impfstoff erzeugten.

Traumatisierungen führen außerdem zur Ausbildung von Überlebensstrategien. Eine typische Überlebensstrategie ist das Unterdrücken eigener Bedürfnisse zugunsten der Bedürfnisse der Bezugspersonen, um sich so etwas Akzeptanz, Zuwendung und Wertschätzung zu sichern.

Daraus entstehen oft Helfersyndrome und Koabhängigkeiten, die mit der Aufforderung „Helfen Sie mit und schützen Sie andere!“ bestens bedient werden können.

Andere Kinderanteile, die sich mit dem Täter oder der Täterin solidarisieren, um das Überleben zu gewährleisten – auch bekannt als Stockholm-Syndrom –, verhindern ein gesundes Hinterfragen bestehender Umstände. Durch ihre Loyalität schützen sie die Täter oder die Täterinnen. Sie sind davon überzeugt, dass diese nicht anders können und nur ihr Bestes wollen, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.

Auf Geber-Konferenzen, bei denen in großem Stil Steuergelder für Impfstoffe abgeschöpft werden, danken viele Menschen den Organisatoren oder den Nutznießern zum Beispiel mit den Worten der EU-Präsidentin „Thank you for leadership, Bill!“. Ob sie ein Traumaopfer ist, das zu einer Traumatäterin wurde, sei dahingestellt.

Masken schränken ausserdem das Lesen der Mimik extrem ein. Das vegetative Nervensystem scannt laufend kleinste Muskelbewegungen im Gesicht und führt automatisch Einschätzungen bezüglich freundlich oder bedrohlich durch. Stephen Porges nennt dies Neurozeption. Ist dies nur eingeschränkt möglich, wird zusätzlich Unsicherheit erzeugt oder verstärkt. Außerdem können Masken als Symbol für einen Maulkorb ein starker Trigger für Inzestopfer sein, da Inzest meist heimlich abläuft und betroffene Kinder auf verschiedene Arten zum Schweigen gebracht werden.

Anpassung an die „neue“ Normalität

Neben dem Befolgen der Corona-Maßnahmen aus Angst konnte auch ein weitgehender Opportunismus, eine fast widerspruchslose Anpassung an die „neue“ Normalität beobachtet werden – nicht nur in der Schweiz.

Nach der Rebellion der Boomer-Generation (circa 1940 bis circa 1960) und der respektlosen und skeptischen Nullbock-Haltung sowie der Genussmaximierung der Generation X (von circa 1960 bis circa 1980) – der auch ich angehöre –, bei der ironisch-sarkastische Sprüche noch an der Tagesordnung waren, galt die Generation Y als angepasster, opportunistischer, unsicherer und ehrgeiziger.

Die nachfolgende Generation Z („Generation Head Down“ – „Generation Kopf unten“) müsste noch separat angeschaut werden, da sie sich offensichtlich über soziale Medien sehr schnell mobilisieren lässt, wie Demonstrationen für Klimaschutz oder gegen Rassismus unter dem Slogan „Black Lives Matter“ zeigen. Dies wäre auch durchaus sinnvoll, würden diese Themen nicht durch Menschen oder Organisationen mit Partikularinteressen missbraucht. Wie konnte es also von Rebellion zu Opportunismus kommen?

Die Boomer-Generation wollte sich mit der Achtundsechziger Revolution von veralteten Hierarchien und Autoritäten befreien. Dies führte dazu, dass vieles hinterfragt wurde. Mit dieser Generation kam eine neue Entwicklungsstufe des Bewusstseins zur Blüte und es entwickelten sich weltweite Bürgerrechts- und Umweltbewegungen, Feminismus, Interesse an Spiritualität, Mitgefühl, Solidarität sowie Sensibilisierung gegenüber jeglicher Form sozialer Unterdrückung von Minderheiten.

Wissen, Werte und Wahrheiten wurden nun als kontextabhängig, kultur- und gruppenspezifisch betrachtet. Diese neue Weltsicht des Poststrukturalismus beziehungsweise Konstruktivismus bewirkte viel Gutes, indem sie zu mehr Verständnis gegenüber Benachteiligten, Minderheiten und anderen Kulturen führte und dadurch ein pluralistisches Weltbild förderte.

Die Boomer-Generation gilt nach „Spiral Dynamics“ – ein Wertesystem mit mehreren Entwicklungsstufen – als erste Vertreterin der Entwicklungsstufe des grünen Mems (= Werte einer Bewusstseinsstufe), die damals von circa 5 Prozent in der Bevölkerung auf circa 20 Prozent anwuchs.

Ursprünglich wurde das System von dem Psychologen Clare W. Graves auf der Grundlage vieler Daten in unterschiedlichsten Kulturen beforscht und von Don Beck und Chris Cowan weiterentwickelt. Es umfasst mehrere Evolutionsstufen des Bewusstseins, die durch verschiedene Farben gekennzeichnet sind.

Vom Beginn der Menschheit bis heute konnten acht Stufen beobachtet werden, vom reinen Überlebensinstinkt bis zur allumfassenden Liebe. Die Stufen können auch zusammengefasst werden in egozentrisch (ichbezogen), ethnozentrisch (wir/nationalistisch) sowie weltzentrisch/universell (alle). Sie können auch bei der Entwicklung eines Kindes beobachtet werden.

Die Mehrheit der Menschheit ist allerdings aktuell auf der Stufe „ego- und ethnozentrisch“, was nicht überrascht. Jede Stufe hat sowohl gesunde als auch spezifische krankhafte Aspekte, die es zu transformieren und zu integrieren gilt.

Neben vielen positiven Aspekten hat das grüne Mem und mit ihm die Boomer-Generation eine tiefgreifende Ablehnung gegenüber jeglichen Hierarchien, da sie diese mit Unterdrückung gleichsetzt. In der Rebellion der Boomer-Generation steckten auch noch einige egozentrische Kräfte, im Sinne von „Niemand sagt mir, was ich zu tun habe!“.

Das Prinzip der Gleichheit wurde deshalb stark überbetont, weshalb es zunehmend schwieriger wurde, eine Perspektive als nützlicher als die andere zu beurteilen. Dies würde ja implizieren, dass eine Perspektive unterdrückt werden muss. Wenn aber jede Wahrheit und alle Werte kontextabhängig und gleichwertig sind, gibt es erstens keine allgemeingültigen Werte und zweitens keine Werte mehr, die höher entwickelt wären als andere.

Jede Perspektive ist dann so gut wie jede andere. Es gibt dann auch keine Wachstumshierarchien mehr, in denen sich das Bewusstsein von reinen Überlebensinstinkten zu Mitgefühl für alle Menschen entwickeln könnte.

Obwohl es richtig ist, dass jedes Individuum als gleichwertig anerkannt werden soll, ist definitiv nicht jeder Beitrag gleich wertvoll oder gleich nützlich. Dies führte nach Ken Wilber mit der Zeit zu einer kollektiven Krankheit, die er Boomeritis genannt hat.

Für Wilber ist Boomeritis nicht nur wie eine leichte Entzündung, sondern wie eine lebensbedrohende Krankheit, die zu einer kompletten Vermüllung von Wahrheit und Werten geführt hat und narzisstischen und nihilistischen Kräften Tür und Tor öffnete.

Die Selfie-Kultur, Pornodarstellerinnen im Netz, die zu Influencerinnen werden, sowie eine sich zuspitzende Weltordnung, in der 1 Prozent der Menschheit mehr besitzt als die restlichen 99 Prozent, spiegeln diese Entwicklung wider. Das Ego wurde schleichend als die einzige Instanz etabliert.

Wenn alles gleichwertig ist, gibt es im Endeffekt keine hierarchisch höher entwickelten Werte mehr und keine allgemeingültige geistige Wahrheit, an der man sich orientieren könnte. Heranwachsende beginnen dann, sich mit künstlich erzeugten Werten, mit dem neuesten i-Phone oder sonstigen Markenartikeln zu identifizieren.

Da es keine bindenden Werte und Wahrheiten mehr gibt, ist es heute so und morgen anders. Wem sollte man glauben, wenn alles gleich-gültig ist? Das Rennen macht dann, wer am meisten Klicks hat oder das Geld für viele Wiederholungen. Man lernt, sich anzupassen und mit dem Trend zu gehen.

Dann ist es auch egal, dass man sich früher in Geschäften frei bewegen konnte und heute dort mit zwei Meter Abstand zu anderen Mitmenschen warten muss, bis man an der Reihe ist. Was macht den Unterschied? Masken als modisches Accessoire? Warum nicht? Wer weiß denn, ob ein bestimmtes Design nicht schon morgen ein „Renner“ ist?

Andere bekamen durch die vom Bundesrat verordneten Schutzmaßnahmen endlich eine Ausrichtung, insbesondere, wenn mit Werten wie Solidarität und Fürsorge geworben wurde und wird. Leider sind da, wo Werte des grünen Mems draufstehen, nicht immer solche enthalten.

Da das grüne Mem nicht nur Hierarchien, sondern auch jegliche Führung abgelehnt hat und den weniger weit entwickelten Bewusstseinsstufen keine Richtung vorgab, entstand ein politisches Machtvakuum – oft auch bei der Kindererziehung.

Die damals zunehmende antiautoritäre Erziehung führte einerseits zur Ausuferung egozentrischer Kräfte, da der Ausbildung des Egos in der Trotzphase keine Grenzen mehr gesetzt wurden.

Andererseits führte es aber auch zu einer zunehmenden Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Kinder brauchen Grenzen, Orientierung und Führung, da dies Halt und Sicherheit vermittelt. Dieses Phänomen wurde von Jirina Prekop in ihrem Buch „Der kleine Tyrann – Welchen Halt brauchen Kinder?“ detailliert analysiert.

Wenn Eltern nicht erwachsen sind, werden Kinder parentifiziert. Das heißt, sie müssen die Großen sein und die Führung übernehmen, womit sie total überfordert sind. Autorität und Führung werden dann verzweifelt gesucht, weil beides Halt und Sicherheit vermitteln könnte, jedoch gleichzeitig abgelehnt, weil dies für egozentrische Kräfte eine Beleidigung ist. Dadurch entstand aus der Ablehnung von Hierarchien durch Boomer-Eltern ein tief gespaltenes Verhältnis zu Hierarchien.

Zusätzlich ist es für ein aufgeschaukeltes, ganz besonderes Ego schwer, sich in eine Gruppe einzuordnen, was eine zunehmende Vereinzelung begünstigt. Dieser kann man natürlich nicht mit Maßnahmen wie „Social Distancing“ entgegenwirken.

Boomeritis führt also auf individueller Ebene zu Orientierungslosigkeit, Unsicherheit bezüglich allgemeingültiger Werte sowie zum Subjektiven als das Maß aller Dinge und auf politischer Ebene zu einem gefährlichen Führungsvakuum.

Wenn eine Entwicklungsstufe erkrankt, öffnet dies die Tür für ungesunde Kräfte der unteren Entwicklungsstufen, in diesem Fall der ego- und ethnozentrischen, denn etwas Krankhaftes zieht in der Regel nicht etwas Gesundes an. Egozentrische Kräfte verkommen dann zu Narzissmus und Nabelschau, da niemand da ist, um Grenzen zu setzen.

Und konservative, resp. ethnozentrische Kräfte erhalten dadurch Auftrieb, da sie im Chaos der Gleichmacherei Möglichkeiten sehen, alte feudalistische Prinzipien der Ungleichheit zu verstärken und positive Entwicklungen der Aufklärung rückgängig zu machen.

Von dieser Zeit bleiben dann noch Profitmaximierung und eine Wissenschaft übrig, die sich dafür missbrauchen lässt, da öffentliche Gelder für Bildung und Forschung laufend gekürzt werden.

Boomeritis bietet damit einen fruchtbaren Boden für die Ideologie des Neoliberalismus, die das Ego ins Zentrum stellt und den sogenannten freien Markt als einzige Orientierung und Autorität etabliert hat. Es wird suggeriert, dass alle die Möglichkeit haben, alles zu erreichen. Man muss sich nur genügend anstrengen, gute Leistungen erbringen und sich möglichst gut verkaufen – Stichwort: Ich-AG.

Da der sogenannte freie Markt aber nur kaschieren soll, dass Reiche durch Zinseszinsen exponentiell reicher werden, und die Verknappung zunimmt, kommen die meisten auch durch vermehrte Anstrengung auf keinen grünen Zweig. Sogenannte Winner-takes-all-Märkte, ein Geldsystem, das durch eine egozentrische Bewusstseinsstufe geprägt ist und in der Welt unsägliches Leid anrichtet.

Da das Ego mittlerweile die einzige Instanz ist, muss es also an einem selbst und nicht an dem System liegen, wenn man keinen Erfolg hat. Das führt zu einem ständigen Gefühl der Insuffizienz und der Verunsicherung.

Nach Dr. Mausfeld wird dies durch den Neoliberalismus zusätzlich gezielt gefördert, indem Menschen, die für den Markt nicht „verwertbar“ sind, als Versager oder Versagerinnen hingestellt werden.

Die bevorzugten Drogen der Generation Y sind daher nicht mehr LSD oder Ecstasy, sondern Ritalin und Adderall, die durch ein sogenanntes Neuroenhancement die Performance verbessern sollen. Erschöpfungsdepressionen mehren sich heute auch schon bei jüngeren Menschen. Dies führt zu weiteren Versagensängsten, wogegen immer inflationärer Antidepressiva verordnet werden.

Gemäß Helsana nahmen im Jahr 2019 bereits 9 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmäßig Antidepressiva ein. Nebenwirkungen und Entzugserscheinungen werden von der Pharmaindustrie aus nachvollziehbaren Gründen verharmlost.

Ängste verarbeiten und Führung übernehmen

Angst ist zwar überlebensnotwendig, aber bei der Entwicklung neuer Strategien kann sie Mut behindern. Die Aufarbeitung von Ängsten sowie generell von intensiven Gefühlen ist auch deswegen zentral, weil wir sonst abgespaltene Anteile auf andere projizieren und so das Leid weiter vergrößern.

Zur Aufarbeitung traumatischer Kindheitserfahrungen gibt es heute sehr gute Methoden zur Enttraumatisierung, zum Beispiel „Somatic Experiencing“/ Peter Levine, Lifespan/Peggy Pace, Aufstellungsarbeit/Franz Ruppert, Arbeit mit Anteilen/Tsültrim Allione oder holotropes Atmen/Stan Grof. Bei Bessel van der Kolk finden sich außerdem noch viele andere hilfreiche Methoden.

Da psychische Erkrankungen und chronifizierte Stressreaktionen eng zusammenhängen, eignen sich begleitend auch Methoden zur Stress- und Affektregulation. Methoden wie Neurofeedback/Sebern Fisher und „Safe & Sound Protocol“/Stephen Proges, durch die das Nervensystem lernt, sich wieder selbst zu regulieren, haben sich insbesondere als sehr wirksam erwiesen.

Für Wilber liegt das Bewusstsein des grünen Mems gleichsam mit gebrochenen Flügeln am Boden. Die Frage ist: Kann es seine Krankheit heilen und die Führungsrolle als eines der am weitesten entwickelten Bewusstseinsstufen doch noch übernehmen?

Die aktuelle Corona-Krise stimmt da eher pessimistisch. Es müsste erkannt werden, dass es einen Unterschied zwischen unterdrückenden Hierarchien und Wachstumshierarchien des Bewusstseins gibt. Das erste zu überwinden ist dem Leben dienlich, das zweite führt durch Gleichmacherei zu Narzissmus und Nihilismus. Wegen erstickender politischer Korrektheit verachtet es außerdem alle vorangehenden Bewusstseinsebenen – vor allem das ethnozentrische Weltbild – und generiert dadurch Widerstand und Hass. 

Die nächste Bewusstseinsebene ist das gelbe Mem, das ist die integrale Stufe, das Wachstumshierarchien von unterdrückenden Hierarchien unterscheiden kann. Es erkennt Kontextabhängigkeit und Pluralismus an, weiß aber auch, dass es universelle Kontexte gibt – zum Beispiel die Menschheit, die Natur, die Welt – und damit universelle Wahrheiten und Werte.

Alle Menschen haben die gleichen Grundbedürfnisse und wollen frei und glücklich sein. Wilber ist einer der Hauptvertreter dieser integralen Bewusstseinsstufe. Von dieser Bewusstseinsstufe aus können erstmals in der Geschichte alle Entwicklungsstufen erkannt und zum Wohl der Menschheit genutzt werden.

Es ist also eine Auseinandersetzung mit allen Bewusstseinsstufen und deren Integration nötig. Jede neue Stufe baut auf den älteren auf. Dies lässt sich auch gut bei der Entwicklung eines Kindes beobachten. Jedes Kind durchläuft eine egozentrische Phase, in der es durch Regeln, Strukturen und Werte zivilisiert werden muss, ohne dass dabei das sich herausbildende Ego „verstaucht“ wird. Zusätzlich braucht es eine Klärung des eignen Verhältnisses zu Hierarchien.

Wir sollten uns fragen: Bin ich mit meinen egozentrischen Kräften ausgesöhnt, respektive sind sie genügend entwickelt, damit mit gesunder Egostärke unheilvollem Verhalten Grenzen gesetzt und weniger entwickeltem Bewusstsein zu Wachstum verholfen werden kann?

Kann ich mit Entschiedenheit für universelle Werte und ewige Wahrheiten einstehen, sie von weniger entwickelten unterscheiden und dadurch auch anderen Menschen, nicht nur Heranwachsenden, Orientierung und Identifikation bieten? Ist mir dies mit Mitgefühl möglich oder habe ich noch Opfer- und Täteranteile, die in Ohnmacht verfallen oder Gleiches mit Gleichem vergelten wollen?

Wir teilen das limbische System und die Affekte mit vielen Tieren. Daher finde ich es sehr spannend zu beobachten, wie der Hundetrainer und „Hundeflüsterer“ Cesar Millan mit entgleisten Affekten von Hunden arbeitet. Mit sehr viel Mitgefühl und Stärke gelingt es Millan, Problemhunde zu resozialisieren und ihre Besitzer zu befähigen, sie zu führen. So könnten wir auch mit unseren eigenen Anteilen, die noch Heilung und Führung brauchen, umgehen.

Gemäß „Spiral Dynamics“ sind zurzeit circa 5 Prozent des Bewusstseins auf der integralen Stufe. Ich hoffe sehr, dass sich dieses Bewusstsein – beschleunigt durch die aktuelle Krise – kontinuierlich ausbreitet, damit wir schon bald ein (Geld-)System haben, das allen dient und uns nicht zerstört.

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